2.2          Ilse Middendorf  -  Ihre Person  -   Der Erfahrbare Atem

Ilse Middendorf wurde am 21. September 1910 in Frankenberg/Sachsen als zweites Kind von Johanna Kullrich und Carl Kullrich geboren. Die Eltern waren liebevoll, humorvoll und tolerant. Für ein Kind auffällig war ihre Wissbegierde, die auch nach der Einschulung anhielt. Mit zwölf Jahren hatte sie eine starke Intuition. Sie hörte eine bedeutende Stimme sagen:

„Du musst atmen“.

In den 30-er Jahren begann Ilse Middendorf schon immer am Atem interessiert und in Gymnastik, Ernährungslehre und Nervenmassage ausgebildet, nach Möglichkeiten zu suchen, den Menschen mehr „innen“ und „tiefer“ anzusprechen, als dies mit Gymnastik und Massage möglich war. So begann sie systematisch ihren Atem zu erforschen. Dabei fand sie viel Neues, dem sie intensiv nachging. Als sie 1938 mit Cornelis Veening zusammentraf, fand sie in ihm einen Menschen, der ihre Atemerfahrungen bestätigte und ihr auf diesem Wege lange Jahre zur Seite stand.

Im Laufe ihrer Forschung zeigte sich, dass ein empfindender Zugang zum Körper um so besser gelang, je mehr der Atem „zugelassen“ werden konnte, das heißt, nicht willentlich geführt wurde oder unterbewusst verlief. Dieses „zulassen“ umschrieb sie mit dem bekannten Satz: „Ich lasse den Atem kommen, lasse ihn gehen und warte, bis er von selbst wiederkommt“. So entdeckte Ilse Middendorf, dass sich

 „sammeln, empfinden, atmen“

einander bedingen und fand damit die Grundlage für den „Erfahrbaren Atem“. Mit dieser Namensgebung macht sie

deutlich, dass diese Methode ausschließlich auf Erfahrungen (und nicht mentale Betrachtungen) beruht. Ilse Middendorf: Das Zeitalter des Wissens geht seinem Ende entgegen - das Zeitalter der Erfahrung hat begonnen.“

Das oben genannte sog. „Atemgesetz“ besagt, dass zwischen „atmen“, „sich sammeln“ und „empfinden“ ein innerer Zusammenhang besteht, das heißt, jedes dieser drei Elemente die beiden anderen beeinflusst. Welchen Schwerpunkt ich auch zu Beginn einer Übungsweise wähle, die beiden anderen Elemente werden stärker und wahrnehmbarer. Es wachsen so Atemfähigkeit, Empfindungsfähigkeit und Sammlungsfähigkeit. Hingabe und Achtsamkeit unterstützen diese Arbeitsweise, wachsen aber auch selber durch diese Arbeit am Atem. Der Atem ist also das Medium, durch dass wir alle erforderlichen Fähigkeiten und Eigenschaften des Körpers entwickeln können, die für die hier besprochene Aufgabe erforderlich sind.

Die Mutter betont ebenfalls die Wichtigkeit von Erfahrungen: „Ich spüre deutlich, dass etwas mich zur Entdeckung dieser Macht führt - zu diesem Wissen -, natürlich auf dem einzig möglichen Weg: der Erfahrung.“

Und am 25. Juli 1970 sagt sie: „Wenn ich früher Erfahrungen hatte (vor langer Zeit, vor Jahren), nützten sie in erster Linie dem Mental - von dort breiteten sie sich aus und wurden verwertet. Jetzt ist das ganz anders: der Körper macht die Erfahrung selber - direkt -, und dies ist sehr viel wahrer. Eine gewisse intellektuelle Einstellung legt stets eine Art Schleier oder... ich weiß nicht... etwas Irreales über die Wahrnehmung der Dinge - eine gewisse Einstellung.
 

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