Als schaue man durch einen bestimmten Schleier hindurch oder durch... etwas... durch eine bestimmte Atmosphäre. Der Körper hingegen fühlt die Sache in sich selbst, er wird zu dem. Die Sache wird nicht mehr von außen aufgenommen (Geste von außen nach innen), sondern er wird zu dem (Geste eines Explodierens in alle Richtungen oder einer Ausdehnung). Anstatt die Erfahrung auf den Maßstab des Individuums zu reduzieren, erweitert sich das Individuum auf den Maßstab der Erfahrung.“

Damit kein falsches Bild über die Methode des Erfahrbaren Atems entsteht, möchte ich hier darauf hinweisen, dass in ihr die Elemente des äußeren Wesens (der sog. Psyche) oder des inneren beziehungsweise seelischen Wesens immer integriert sind. Die Atemarbeit meint also immer den „ganzen“ Menschen. So ist die Bewusstwerdung und Bildung des „Leibes“ (= „beseelter“ Körper) ein Anliegen des Erfahrbaren Atems. Insofern ist der in dieser Veröffentlichung gemachte Vorschlag, das Mental und Vital „zum Schweigen zu bringen“ völlig untypisch für die Methode des Erfahrbaren Atems. Auch stellt dieser Arbeitsansatz  keine „Weiterentwicklung“ des Erfahrbaren Atems dar! In der Atemarbeit, die Ilse Middendorf „Gedankenschweigen“ nennt und die, wie sie sagt „auch das Schweigen des Vitals“ meint, wurden zwar gelegentlich Versuche gemacht, diese „reine“ Empfindungsarbeit zu erforschen, jedoch wurde sie nie (wie hier vorgeschlagen) mit einer Sammlung auf den subtilphysischen Körper verbunden.

Die Kunst den Atem „zulassen zu können“ bedarf einer gewissen Übung. In fünftägigen- (und Wochenend)-Kursen „Der Erfahrbare Atem“ kann diese Fähigkeit durch nahezu ausschließlich praktische Übungsarbeit erworben werden. Bereits nach etwa zwei solcher Kurse haben Übende im allgemeinen ein Empfinden dafür entwickelt, was mit „den Atem zuzulassen“ gemeint ist. Damit können sich die Übenden selber auf den Weg machen, die Empfindungsfähigkeit, Durchlässigkeit und Sammlungsfähigkeit zu steigern, wobei Hingabe und Achtsamkeit zwei weitere wichtige Fähigkeiten sind, die alle in einer Wechselbeziehung untereinander stehen und sich gegenseitig bedingen und  fördern.

Eine weitere wichtige Wahrnehmung ist die, dass eine ausgeführte Dehnung (des Körpers oder eines Körperteils) sofort einen Einatem bewirkt und der Atem in der gedehnten Gegend verstärkt einströmt. Im Laufe der Atemarbeit wird dies immer deutlicher empfindungsbewusst wahrgenommen.

Einige Daten aus dem persönlichen Leben von Ilse Middendorf:

1940 Heirat mit Jost Langguth (Organist und Kapellmeister). - 11. Sept. 1941 Geburt des Sohnes Helge Langguth. Unmittelbar nach Kriegsende kehrte sie nach Berlin zurück, wo sie ihre Praxis zerbombt vorfand. Jost Langguth - kam nicht aus dem Feld zurück.
 
  

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