Ich begegnete ihm einige Male kurz. Einmal (1976), direkt nach einer Rückkehr aus Pondicherry fragte er mich nach dem Grund, der mich veranlassen würde, dorthin zu reisen und ich antwortete ihm, dass ich einen Zusammenhang sähe zwischen dem Yoga Sri Aurobindos und dem Erfahrbaren Atem. Er nickte und sagte: „Da werden Sie noch viel entdecken.“
 

3.3.4       Das neue Körperbewusstsein  -  der „neue Atem“ 
            mein Schlüsselerlebnis vom Oktober 1972

Im Jahr 1972 war ich beruflich als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Wasserbau der TU-Berlin tätig und hatte noch keine Stunde mit dem Erfahrbaren Atem gearbeitet. Von der Möglichkeit, dass der Menschheit ein entscheidender Evolutionsschritt bevorsteht, hatte ich ein Jahr zuvor durch das Buch von Satprem "Sri Aurobindo - oder das Abenteuer des Bewusstseins" erfahren. Dass damit eine Transformation (auch) des physischen Körpers verbunden sein würde, war mir nur verschwommen bewusst und die Frage des "wie" stellte sich mir noch nicht.

An einem Tag im Oktober 1972 geschah mir ganz unerwartet folgendes: Ich befand mich in meiner Wohnung, in einem bequemen Ledersessel liegend und in einer meditativen Stimmung, als mir die Frage in den Sinn kam: "Was macht sie eigentlich da oben?" - Mit "sie" bezeichnete ich meine Mutter (Ilse Middendorf) und mit „eigentlich“ meinte ich das Wesentliche, das Bewirkende der Atemarbeit, denn natürlich wusste ich, dass sie mit dem Atem Klientinnen bei deren Problemen helfend zur Seite stand. Mit "oben" meinte ich die Tatsache, dass sich das Ateminstitut von ihr ein 

Stockwerk über meiner Wohnung befand. 

Die "Antwort", die ich daraufhin erhielt kam so unmittelbar, dass ich den Eindruck hatte, ich hätte die Frage noch nicht ganz zu ende gedacht, als mein Körper sich aufrichtete, so dass ich, trotz der sehr weichen, nach hinten abfallenden Unterlage, völlig aufrecht saß. Vielleicht sollte ich besser sagen, der Körper richtete sich auf. "Ich" tat nichts dazu und ich spürte keine muskuläre Tätigkeit, weder um mich aufzurichten, noch um diese Position zu halten. Da gab es keine Kraft oder Energie, weder von innen noch von außen, die mich hielt. Es war auch nicht die Kraft des (aufsteigenden) Atems, die ich später kennen lernen sollte. Die Kraft des Atems empfinde ich als den Körper von innen stützend. Hier aber war es die Materie selber, die Zellen des Körpers, die „sich entschlossen" hatten, diese Position einzunehmen.

Da ich nicht glauben wollte, was ich empfand, öffnete ich die Augen. Mein Blick fiel auf einen großen Wandspiegel und ich sah mich vollkommen aufrecht sitzen. Dann weitete sich mein Bewusstsein derart, dass ich gleichzeitig, d.h. nicht hintereinander, sondern parallel verschiedene Phänomene wahrnahm. Mir wurde bewusst, dass es das, was wir Zeit nennen, in Wirklichkeit nicht gibt. Alles existiert gleichzeitig und trotzdem gab es eine Abfolge der Ereignisse dadurch, dass ich den Schwerpunkt meiner Sammlung verlagerte. Zuerst nahm ich ein Phänomen wahr, das ich augenblicklich (im Sinne einer inneren Gewissheit) als „Atem" erkannte. Es war aber nicht der Atem, den wir kennen und der die Körperwände im Atemrhythmus weit und schmal werden lässt. Dieser "Atem" kam von oben, trat in den Kopf ein und hinterließ beim Durchlaufen des Körpers (hin zu den Füßen) eine Empfindung, 

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