3.5.1     Die entwickelbaren Fähigkeiten und Eigenschaften des Körpers: 
  Empfindungsfähigkeit, Durchlässigkeit, Sammlungsfähigkeit
 
  sowie Hingabefähigkeit und Achtsamkeit 

Empfindungsfähigkeit

Die Empfindungsfähigkeit basiert auf der nervlichen Tätigkeit des physischen Körpers. Darüber hinaus können im Erfahrbaren Atem aber auch Teile des Körpers empfunden (wahrgenommen) werden, die keine Nerven besitzen. Zum Beispiel lässt sich die Leber in einer bestimmten „Atemqualität“ wahrnehmen, obwohl sie keine Nerven besitzt.

Es ist naturwissenschaftlich belegt, das Nerven, die nicht oder selten benutzt werden, schlecht leiten. Werden sie jedoch wieder aktiviert (was nur durch praktisches Üben erfolgen kann) nimmt die Fähigkeit zu empfinden schnell zu. Darüber hinaus bilden Nerven, die häufig angesprochen werden, an ihren Enden immer feinere Fasern aus. 

Über sie können wir Verbindungen zu den Ebenen des Subtilphysischen herstellen. Die Empfindungsfähigkeit ist also der Grundstein der Arbeit am Körper und durch den Körper – und es ist die „Stelle“, an der sich die Arbeit mit dem Erfahrbaren Atem von der am physischen Körper im Sinne der Suche Mutters nicht unterscheidet.

Sri Aurobindo in „Briefe über den Yoga, Bd. 1: „Die physischen Nerven sind ein Teil des stofflichen Körpers, doch reichen sie bis in den feinstofflichen Körper, und es besteht eine Verbindung zwischen beiden. Ja, es gibt Nerven im feinstofflichen Körper.“
 

Sammlungsfähigkeit

Im Erfahrbaren Atem unterscheiden wir diese Fähigkeit bewusst von der, die wir Konzentrationsfähigkeit nennen. Während Konzentrationsfähigkeit dadurch zustande kommt, dass alles, was außerhalb ihres Mittelpunktes liegt, ausgeblendet wird, und sie somit einen gewissen punktuellen Charakter hat, meint Sammlung einen Prozess, der alle Aspekte eines im Mittelpunkt stehenden Geschehens mit einbezieht. Somit ist es möglich, sich auf den ganzen physischen Körper zu sammeln, so dass er auf allen Ebenen, bis hin zu den Zellen als Gesamtorganismus empfindungsbewusster wird. Ferner wird der Begriff Konzentration mehr in Verbindung mit dem Denken verwendet, während Sammlung den Körper meint.

Durchlässigkeit

Die Durchlässigkeit des physischen Körpers ist eine Eigenschaft, die im Wechsel- und Zusammenspiel mit Atem, Sammlung und Empfindung steht und entsteht. Und auch hier wieder die gegenseitige Abhängigkeit: je größer die Durchlässigkeit, desto besser kann der Atem fließen, wodurch die Empfindungsfähigkeit zunimmt. Die Durchblutung einer Körpergegend nimmt zu, wenn diese für den Atem durchlässiger wird - einer der heilenden Effekte der Atemarbeit. Gegenden des Körpers, die vorher undurchlässig waren, werden, nachdem sie über den Atem durchlässig geworden sind, umfassender und intensiver empfunden als vorher.
 

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