3.5     Übereinstimmung in den Arbeitselementen und der Methodik 
   Der Mutter (den Körper zu transformieren) und 
   dem Erfahrbaren Atem nach Ilse Middendorf

Aus vielen Hochkulturen der Menschheit ist die Erfahrung überliefert, dass der Atem in der Lage ist, „Körper, Seele und Geist“ zu verbinden bzw. zu diesen Elementen Kontakt herzustellen. Da ich in dieser Veröffentlichung die Terminologie Sri Aurobindos verwende, steht der Atem demnach also in einer Wechselbeziehung zum Körper, zum äußeren Vital und Mental, zum höheren Vital und Mental und zum inneren beziehungsweise seelischen Wesen.

Die Erfahrungen mit der Atemarbeit nach Ilse Middendorf können diese Erkenntnisse bestätigen. So weit, so gut. - Interessant wird es nun, wenn man die gegenseitigen Wechselwirkungen zwischen dem Atem und den oben genannten Wesensteilen des Menschen wahrnimmt. Eine praktische Atemarbeitsweise soll dies verdeutlichen:

Setzen sie sich auf einen Hocker und atmen - nur dies - lassen sie ihren Atem kommen, setzen sie nicht den Willen ein, lassen sie den Atem selber seinen Verlauf suchen und nehmen. - Was immer sie auch nach einigen Atemzügen erfahren und erlebt haben, sofort beteiligt sich das Vital und Mental an diesem Prozess, indem das Mental es einzuordnen versucht, was gerade passiert ist und das Vital es bewertet (tut es mir gut oder nicht usw. usw.). Darauf - auf diese Einordnung und Bewertung durch das Vital und Mental - reagiert wiederum der Körper und der Atem...(der therapeutische Umgang mit dem Erfahrbaren Atem beruht auf der Grundlage dieser Wechselbeziehung).

Bei fortgeschrittener Arbeit mit dem Atem „weckt“ diese aber auch das Interesse des inneren und des seelischen Wesens: sobald der

Atem zugelassen wird, kann ihre Beteiligung ebenfalls durch Gefühle wahrgenommen werden. Sie unterscheiden sich allerdings wesentlich von denen des äußeren Wesens (des Vitals und des Mentals). Eine Gegenüberstellung soll dies verdeutlichen.

a) Gefühle des äußeren Wesens (im Westen i.a. 
    „Psyche“ genannt):

Heftige aber vergängliche Freuden und vergängliches Glück, Leid, überschäumende Begeisterung und Niedergeschlagenheit, Zweifel, menschliche Liebe (die auf Erwiderung angewiesen ist), Gefühle der Minderwertigkeit, Sympathie und Antipathie, Eitelkeit, Stolz, Streitsucht, Machtbesessenheit, Ruhmsucht und Hochmut, Angst, Enge, Furcht, Sorgen, Ärger, Kummer, Wut, Eifersucht, Scham, Neid, Hass, Wünsche und Begierden, Leidenschaft, Verzagtheit, Ruhelosigkeit,  - Geeignete Ausdrücke sind auch die Begriffe „Begierdenseele“ oder auch „äußere Person“,  „Person des Vordergrundes“ und „Psyche“. Die „Psyche“ ist in vielem deckungsgleich mit dem Begriff des „Ego“. Die Wertung all dessen, was erlebt wird, ist charakteristisch für diese Ebene.

Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Psyche ist es, dass sie (in ihren unterbewussteren Teilen) in Freude wie in Leid gleichermaßen schwelgt. So erklärt sich die hohe Zahl jener Menschen, die zwar erklären (und selbst davon überzeugt sind), dass sie alles tun würden, um eine bestehende Krankheit zu überwinden, tatsächlich (unbewusst) aber jede Möglichkeit einer Heilung von sich weisen.
 

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