b) Gefühle des inneren und des seelischen Wesens:

Die Liebe (die unabhängig von der Erwiderung durch andere Menschen ist), Freude, die beständig ist, Ruhe, Harmonie, Weite, Größe, Heiterkeit, Unbegrenztheit, Zeitlosigkeit, Wissen, das nicht dem Denken entspringt, Gleichmut, spirituelles Erkennen und das Gefühl, dass die „Begierdeseele“, das „Ego“, zwar notwendig,  nicht aber bestimmend und bewirkend ist.   - Zuversicht, Frieden, Aufrichtigkeit, Demut, Dankbarkeit, Durchhaltevermögen, Aspiration, Empfänglichkeit, Durchlässigkeit, Mut und Großmut - alles Haltungen bzw. Seinszustände, die bei der Arbeit am Atem wachsen (können).

Soviel zur besseren Unterscheidung von Gefühlen. - Nun ist aber die Beteiligung von Vital und Mental am Atem- und Empfindungsgeschehen im physischen Körper nicht zwingend notwendig, das heißt, auch wenn diese Wesensteile „schweigen“ - besser gesagt: nicht auf das Geschehen im Körper eingehen, mindert dies die Atemarbeit am physischen Körper nicht. Im Gegenteil! Die Empfindungsarbeit kann nun ganz den Bedürfnissen des Atems und des Körpers folgen und wird nicht mehr von den Reaktionen auf die Gefühle des Vitals und den Einordnungsversuchen des Mentals beeinflusst. Auch das innere Wesen sollte „schweigen“, d.h. nur als „Beobachter“ fungieren, völlig ruhig verharrend, ohne Gefühlsreaktionen, wie oben beschrieben.

Ein besonderes „Geschenk“ dieser Atemarbeit liegt darin, dass sie eine Haltung und Atmosphäre erzeugen kann, die Vital und Mental, ja sogar das so sehr angestrebte innere und seelische Wesen in den Hintergrund treten lassen kann, wenn die Sammlung ausschließlich auf den physischen Körper, den Atem und die Empfindungen erfolgt. D.h. eine Läuterung des Vitals und Mental, wie sie auf allen spirituellen Wegen erforderlich ist, wird dann nicht benötigt. Vor 
  

allem durch die Hinwendung an das sogenannte „Heile“ (hier: das in der physischen Materie involvierte Göttliche), lässt der Einfluss von Vital und Mental während der Atemarbeit langsam nach.

Damit das Ganze noch die notwendige Richtung (also den „männlichen“) Anteil bekommt und damit die Entscheidung, ob ich mich dem Körper, dem Geist oder der Seele zuwende, ist das ganze Atem- und Empfindungsgeschehen an die sog. Sammlungsfähigkeit gekoppelt. Ich habe (jederzeit) die freie Entscheidung, mich auf dieses oder jenes zu sammeln.

Eine der wichtigsten Erfahrungen Ilse Middendorfs, quasi die Grundlage des Erfahrbaren Atems ist die, dass zwischen Atem, Sammlung und Empfindung eine gegenseitige Wechselwirkung besteht: egal, womit ich eine Übungsweise beginne, das heißt auf welches der drei Elemente ich einen anfänglichen Schwerpunkt lege, die anderen beiden folgen. So wächst durch das Üben am Atem und mit dem Atem gleichzeitig die Empfindungsfähigkeit und Sammlungsfähigkeit im physischen Körper – und damit seine Durchlässigkeit, Hingabefähigkeit und Achtsamkeit - in ständiger Wechselwirkung, sich gegenseitig fördernd. Im Laufe der Arbeit am Atem bekommt diese eine „Qualität“, die sich mit Worten nicht ausdrücken lässt.

Im Kapitel 3.6.2 nenne ich einige Übungsweisen, die geeignet sind, die Psyche „loszulassen“, d.h. zum „Schweigen zu bringen“.

Es ist also möglich, nur und ausschließlich am und mit dem Bewusstsein des physischen Körpers zu arbeiten. 

wpe2.jpg (1221 Byte)Zurück zum Inhaltsverzeichnis

weiter forward.gif (1022 Byte)